Die Geschichte der SPIEGEL-Gruppe

Am 4. Januar 1947 erscheint in Hannover die erste Ausgabe des SPIEGEL. In gut sieben Jahrzehnten hat sich der SPIEGEL-Verlag zu einem multimedialen Medienunternehmen entwickelt, dessen publizistisches Angebot für Qualitätsjournalismus steht. Erfahren Sie mehr über die Geschichte des Unternehmens.

SPIEGEL-Affäre 1962: Protestierende halten vor einem verschlossenen Tor mit der Aufschrift „Gefängnisbehörde“ ein Schild mit der Aufschrift „Spiegel tot die Freiheit tot!” hoch Foto: DER SPIEGEL
1946 bis 1949

1947

Der erste SPIEGEL erscheint am 4. Januar 1947, einem Samstag, in Hannover als Nachfolger der Ende 1946 erschienenen Zeitschrift "Diese Woche". Chefredakteur und Herausgeber ist Rudolf Augstein.

1950 bis 1959

1950

Der SPIEGEL wird durch seinen Vorwurf, Bonn sei nur durch Bestechung von Abgeordneten zur vorläufigen Haupt­stadt der Bundes­republik Deutschland gewählt worden, landes­weit bekannt. Der Deutsche Bundes­tag setzt daraufhin den sogenannten SPIEGEL-Ausschuss ein, der sich vergebens um die Klärung bemüht.

1950/51

Die bisherigen Miteigentümer Gerhard R. Barsch und Roman Stempka scheiden aus dem Verlag aus. Der Hamburger Verleger John Jahr übernimmt die Hälfte der Verlags­anteile und ist zusammen mit Rudolf Augstein Gesell­schafter des SPIEGEL-Verlags.
 

1952

Der SPIEGEL-Verlag zieht vom Anzeiger-Hochhaus in Hannover nach Hamburg ins Pressehaus am Speersort.
 

1955

Der SPIEGEL zeigt einige farbige Titel­bilder, mit Broadway-Star Eartha Kitt, Schlager­sängerin Caterina Valente und Franz Josef Strauß. Die Farb­titel sind eine Sensation in der deutschen Medien­land­schaft. Das erste farbige Cover wurde auf der Ausgabe 52 aus dem Jahr 1948 gedruckt.

1960 bis 1969

1962

Miteigentümer John Jahr tritt je zur Hälfte seine Anteile an den Hamburger Verleger und Druckerei­besitzer Richard Gruner sowie an Rudolf Augstein ab.

Die „SPIEGEL-Affäre“ erschüttert die Republik. Unter dem Vorwand, Der SPIEGEL habe mit seiner Titel­geschichte „Bedingt abwehrbereit“ über das Nato-Manöver „Fallex 62“ Landes­verrat begangen, besetzt die Polizei in einer Oktober­nacht die Redaktions- und Verlags­räume. Der Herausgeber, der Verlags­direktor und mehrere Redakteure werden fest­genommen und bis zu 103 Tage in Unter­suchungs­haft gehalten. Die Behauptungen der Staats­macht erweisen sich allerdings als halt­los. Verteidigungs­minister Franz Josef Strauß, tief in die Affäre verstrickt, muss zurücktreten.

1966

Der SPIEGEL erscheint ab Januar jeweils am Montag. Das Nachrichten-Magazin wirbt mit den Slogans „Montag ist SPIEGEL-Tag“ und „SPIEGEL-Leser wissen mehr“.

1969

Der SPIEGEL-Verlag bezieht sein neues Gebäude an der Hamburger Brandstwiete. Richard Gruner verkauft seine Verlags­anteile an Rudolf Augstein.

1970 bis 1979

1970 

Die manager magazin Verlags­gesellschaft mbH wird gegründet.

1971

Rudolf Augstein verkauft 25 Prozent des SPIEGEL-Verlags an Gruner + Jahr.

Im November 1971 erscheint die erste Ausgabe des manager magazins.

1974

Rudolf Augstein schenkt die Hälfte seines Unter­nehmens seinen Mit­arbeitern. Mit­verantwortung, Mit­entscheidung und ein Anspruch auf die Hälfte des Gewinns zählen seither zu den Arbeits­bedingungen der Beschäftigten und prägen das Klima im Haus. Nirgendwo ist die Idee der Mit­arbeiter­beteiligung so konsequent verwirklicht worden.

1979

Die manager magazin Verlags­gesellschaft startet die erweiterte deutsche Ausgabe der US-Management­zeitschrift „Harvard Business Review“ unter dem Namen Harvard Business Manager.

1980 bis 1989

1980

Das erste SPIEGEL-Buch „Der Minister und der Terrorist – Gespräche zwischen Gerhart Baum und Horst Mahler“ erscheint im Juni im Rowohlt Taschenbuch Verlag.

1988

Am 8. Mai wird erstmals SPIEGEL TV MAGAZIN auf dem Privat­sender RTL aus­ge­strahlt. Ermöglicht wird dieser Sende­platz durch die Kooperation mit der Development Company for Television Program (dctp).

Das erste SPIEGEL SPECIAL erscheint, Thema: „Die wilden 68er“. Bis zur Einführung von SPIEGEL special folgen in un­regel­mäßiger Folge ins­gesamt 20 mono­thematische Ausgaben.

1990 bis 1999

1990

Der Erfolg des SPIEGEL TV MAGAZIN zieht weitere Fern­seh­formate nach sich. Darauf­hin wird die SPIEGEL TV GmbH als hundert­prozentige Tochter des SPIEGEL-Verlags gegründet.

1994

Der SPIEGEL geht am 25. Oktober als erstes Nachrichten-Magazin welt­weit online; einen Tag vor „Time“ erscheint SPIEGEL ONLINE im Netz.

1995

SPIEGEL Kultur Extra erscheint als monatliche Beilage für Abonnenten des SPIEGEL.

1996

Die a + i art and information GmbH & Co. wird als hundert­prozentige Tochter der SPIEGEL TV GmbH gegründet. Neben der Produktion von SPIEGEL ONLINE bündelt a + i alle Online-Aktivitäten der SPIEGEL-Gruppe und bietet Dienst­leistungen für Dritte im Internet an. Außer­dem ist bei a + i die Entwicklung innovativer medialer Angebote angesiedelt.

1998

Die „Johannes B. Kerner-Show“ wird erstmals von a + i und der J.B.K.TV-Production im Auftrag des ZDF im Studio Hamburg produziert.

Die SPIEGEL-Gruppe erwirbt die Mehrheits­beteiligung an der ASPEKT Telefilm-Produktion GmbH, mit der SPIEGEL TV seine Aktivitäten im Bereich der Fern­seh­film­produktionen erweitert.

SPIEGEL Kultur Extra erscheint unter dem neuen Titel KulturSPIEGEL.

Im SPIEGEL-Verlag erscheint ein neues Print­produkt: Der UniSPIEGEL wendet sich an Studierende von Fach­hoch­schulen und Uni­versi­täten. Ein wichtiger Bestand­teil ist die Dokumentation der SPIEGEL-Foren zu hoch­schul­politischen Themen.

1999

Aus SPIEGEL SPECIAL wird ab November SPIEGELreporter, das Monats­magazin für Reportage, Essay, Interview.

manager magazin Online startet als Online-Version der Print­ausgabe manager magazin. Mit dem weiteren Ausbau wird ein eigen­ständiges Informations­angebot etabliert.

2000 bis 2009

2000

Anfang des Jahres wird Rudolf Augstein von 100 nam­haften Journalisten im „Medium Magazin“ zum „Journalisten des Jahr­hunderts“ gewählt.

Das manager magazin gründet mit der manager lounge einen exklusiven Business-Club für deutsch­sprachige Führungs­kräfte welt­weit, der die Vorteile eines globalen Online-Netz­werks mit den Vorzügen hoch­karätiger Veranstaltungen vor Ort verbindet.

Die SPIEGEL-Gruppe bündelt im September ihre Internet-Aktivitäten in der SPIEGELnet AG.

2001

Im Januar erteilt die Medien­anstalt Berlin-Brandenburg (MABB) SPIEGEL TV und der dctp eine Frequenz für den neuen Sender XXP TV, der Start­schuss für das Metropolen­fernsehen fällt im Mai.

2002

Rudolf Augstein, Gründer, Chefredakteur, Herausgeber und Geschäfts­führer des SPIEGEL, stirbt am 7. November im Alter von 79 Jahren.

2003

Die SPIEGELnet AG wird in die SPIEGELnet GmbH umgewandelt.

2004

Die Mitarbeiter KG und Gruner+Jahr erwerben von der Erbengemeinschaft Augstein jeweils weitere 0,5 Prozent an der Rudolf Augstein GmbH und an der SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG.

Der SPIEGEL-Verlag beteiligt sich mit 25 Prozent am Berliner Hör­buch­verlag „Der Audio Verlag“.

2005

Seit März hat SPIEGEL TV sein Angebot um einen Pay-TV-Kanal erweitert: SPIEGEL TV DIGITAL.

2006

Die SPIEGEL-Gruppe gründet die QS Quality Service GmbH, um dort Vermarktungs- und Service­aktivitäten zu bündeln.

SPIEGEL ONLINE startet den Podcast „Urlaub für die Ohren“, in dem die Redakteur­innen und Redakteure von ihren Recherche­reisen berichten.

2007

Nach dem Erfolg der Geschichtsthemen in SPIEGEL SPECIAL baut der SPIEGEL-Verlag die Reihe aus: Künftig wird viermal jährlich ein SPIEGEL SPECIAL GESCHICHTE erscheinen.

Am 1. Oktober startet die Zeit­geschichte-Community einestages von SPIEGEL ONLINE. Das neue Portal wird bereits fünf Monate später von der Lead Academy zum besten Web-Magazin des Jahres gekürt.

2008

Seit Januar hat SPIEGEL TV drei Tochter­unter­nehmen: die SPIEGEL TV Media GmbH als Produzentin von Ko- und Auftrags­produktionen, die SPIEGEL TV Produktion GmbH als technischer Dienst­leister und unter neuem Namen die SPIEGEL TV Infotainment GmbH.

Im Dezember 2008 wird der SPIEGEL-Verlag Mehrheits­gesell­schafter beim Berliner Hör­buch­verlag „Der Audio Verlag“.

 

2009

Im Januar startet die neue mono­thematische Zeit­schriften­reihe SPIEGEL GESCHICHTE.

Im April erscheint die erste Print­ausgabe von SPIEGEL WISSEN.

SPIEGEL TV bekommt einen eigenen Pay-TV-Kanal. Mit SPIEGEL GESCHICHTE wird seit Juli auf der Pay-TV-Plattform Sky ein Voll­programm gesendet.

Das Magazin „Dein SPIEGEL – Die Welt verstehen!“ kommt im September heraus. Dieser Kinder-SPIEGEL ist zunächst als einmalige Ausgabe angelegt und richtet sich an Mädchen und Jungen etwa zwischen acht und zwölf Jahren. Mit Ausgabe 1/2010 erscheint das Nachrichten-Magazin für Kinder monatlich.

Die SPIEGEL-Gruppe bündelt Marketing­service, Disposition und Verkauf für alle Print- und Online­werbe­träger in der zentralen Vermarktungs­einheit SPIEGEL QC.

2010  bis 2019

2010

Im Februar erscheint der SPIEGEL als App für das iPhone; die Printausgabe kann auf dem iPad gelesen werden.

2011

SPIEGEL TV gründet mit SPIEGEL TV WISSEN einen zweiten Pay-TV-Kanal.

Im September zieht die SPIEGEL-Gruppe in ihren Neubau auf der Ericusspitze in der Hamburger HafenCity. Hier finden erstmals alle Mitarbeiter, Marken und Medien der SPIEGEL-Gruppe Platz unter einem gemeinsamen Dach.

Mit SPIEGEL.TV startet das Unternehmen einen eigenen Web-TV-Sender und bietet rund um die Uhr ein redaktionell kuratiertes Programm.

2013

Das Angebot an digitalen Produkten wird erweitert: Die Wirtschaftsmagazine manager magazin und Harvard Business Manager erhalten eine für Apple-Tablets sowie Android-Tablets und -Smartphones optimierte digitale Version. Für SPIEGEL GESCHICHTE wurden eine iPad-, Android- und Web-App entwickelt.

2014

Das manager magazin baut seine Kompetenz im Bereich Luxus aus – mit dem neuen Beihefter "splendid". Dieser widmet sich journalistisch anspruchsvoll und visuell hochwertig den Themen Mode, Beauty und Interieur.

2015

Der SPIEGEL ändert seinen Erscheinungstag: Mit Ausgabe 3/2015 erscheint das Nachrichten-Magazin bereits am Samstag. Die Digitalausgabe steht am Freitag ab 18 Uhr zum Download zur Verfügung. Zum neuen Erscheinungstag startet der SPIEGEL eine neue Dachmarken- und Imagekampagne mit einem neuen Claim: "Keine Angst vor der Wahrheit".

Die Geschäftsführung des SPIEGEL-Verlags stellt im Juni mit der Agenda 2018 ein Wachstums- und Restrukturierungsprogramm vor, mit dem der langfristige wirtschaftliche Erfolg des Unternehmens und damit die publizistische Unabhängigkeit des SPIEGEL gesichert werden sollen.

Der SPIEGEL erweitert sein Buchengagement: Die monatliche Beilage KULTUR SPIEGEL wird durch das Supplement LITERATUR SPIEGEL ersetzt.

Mit bento startet SPIEGEL ONLINE ein junges, eigenständiges Web-Portal für junge Erwachsene zwischen 18 und 30 Jahren.

Die SPIEGEL-Verlagsgruppe stärkt die Entwicklung ihrer digitalen Produkte mit dem neu gegründeten Tochterunternehmen SPIEGEL Tech Lab GmbH. Sie wird Mobil- und Web-Angebote der Verlagsgruppe konzipieren und weiterentwickeln.

 

2016

DER SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE starten gemein­sam den News­letter „DIE LAGE – Morning Briefing“.

Zum Tod von Alt­bundes­kanzler Helmut Schmidt ist SPIEGEL BIOGRAFIE im November 2015 erst­mals als Sonder­aus­gabe erschienen. Mit vier Ausgaben pro Jahr geht der Titel in Serie.

Mit SPIEGEL EDITION GESCHICHTE startet der SPIEGEL-Verlag eine weitere neue Heft­reihe. Zwei­mal im Jahr werden zu einem historischen Thema die besten Beiträge der SPIEGEL-Redaktion neu zu­sammen­gestellt.

DER SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE starten das digitale Angebot SPIEGEL Plus. Ab sofort werden einzelne Artikel des Nach­richten-Magazins und der Nach­richten-Web­site auf SPIEGEL ONLINE zum Verkauf angeboten.

Mit einem umfang­reichen Programm auf der Frank­furter Buch­messe 2016 startet der SPIEGEL sein neues Ver­anstaltungs­konzept DER SPIEGEL live. Das Ver­anstaltungs­programm umfasst unter­schied­liche Formate an unter­schied­lichen Orten: SPIEGEL-Gespräche live im Thalia Theater, DER SPIEGEL live auf der Ericus­spitze und DER SPIEGEL live im Spiegel­saal. Mehr­mals pro Semester finden SPIEGEL-Gespräche live in der Uni statt.

2017

DER SPIEGEL startet mit dem „S-MAGAZIN“ ein neues Life­style-Supple­ment. Die Bei­lage wird viermal im Jahr dem SPIEGEL bei­ge­legt und widmet sich den Themen Mode, Design und Genuss.

SPIEGEL ONLINE startet mit dem Politik-Podcast „Stimmen­fang“ ein neues Audio­format. Im Verlauf des Jahres folgen mit „Sascha Lobo – Der Debatten-Podcast“ und „Netz­teil – Der Tech-Podcast“ weitere Audio­formate.

Der Vermarkter der SPIEGEL-Gruppe firmiert seit März unter einem neuen Namen: SPIEGEL MEDIA – Der Premium-Vermarkter.

Die Redaktionen von SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE starten gemeinsam ein neues digitales Produkt: SPIEGEL daily ist ein kosten­pflichtiges täg­liches Angebot, das dem Leser die wichtigsten News des Tages auf neue, erklärende Art präsentiert.

2018

Der SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE starten im Mai das neue SPIEGEL+, ein monat­liches Abo­modell für alle digitalen Bezahl­inhalte.

Am 20. Dezember macht der SPIEGEL-Verlag öffentlich, dass Claas Relotius, Redakteur im Gesell­schafts­ressort, seine Geschichten weit­gehend erfunden hat. Der Betrugs­fall wird in Form einer SPIEGEL-Titel­geschichte publik gemacht und eine un­ab­hängige Kommission ein­ge­setzt, die klären soll, wie es zu den Fälschungen kommen konnte.

2019

Im Zuge der strategischen Neu­aus­richtung von SPIEGEL TV werden die ver­schiedenen Redaktionen nicht mehr von einer Chef­redaktion, sondern von Produzenten geführt.

Am 1. September nimmt mit dem Start des Gemein­schafts­betriebs die gemein­same SPIEGEL-Redaktion ihre Arbeit auf.

Mit SPIEGEL Best­seller, dem neuen Kultur­magazin vom SPIEGEL, erhält das Nachrichten-Magazin vier­mal im Jahr eine neue Beilage mit dem Wichtigsten aus Literatur, Film und Musik.

Die SPIEGEL-Gruppe startet im November die Bildungs­initiative SPIEGEL Ed zur Stärkung von Medien- und Nachrichten­kompetenz.

2020 bis heute

2020

Nach rund 25 Jahren wird am 8. Januar aus SPIEGEL ONLINE der digitale SPIEGEL, mit moderner Optik und neuen Inhalten. Der Launch des neuen digitalen SPIEGEL wird von einer Dach­marken­kampagne „Wir halten dieser Welt den Spiegel vor“ begleitet.

​​manager magazin und Harvard Business manager erscheinen ab Juli gemeinsam im Web, in der App und auf allen anderen digitalen Platt­formen mit einem voll­ständig erneuerten Auf­tritt. Beide Wirt­schafts­titel – weiter­hin klar als eigen­ständige Ange­bote posi­tioniert – werden Teil einer neuen Dach­marke, manager, mit einem ver­bindenden Wertversprechen.


Rudolf Augstein

Herausgeber des SPIEGEL (1923 bis 2002)

Rudolf Augstein wurde am 5. November 1923 in Hannover geboren. Nach dem Abitur 1941 arbeitete er unter anderem als Volontär beim „Hannoverschen Anzeiger“. Im Anschluss an das Volontariat wurde Augstein zum Arbeits­dienst ein­ge­zogen und leistete ab April 1942 Kriegs­dienst. 1945 geriet der verwundete Augstein kurz in amerikanische Gefangen­schaft. 1945 begann Augstein als Journalist bei dem von der britischen Militär­regierung lizenzierten „Hannoverschen Nachrichten­blatt“ zu arbeiten. Ab 1946 übernahm er das Ressort Deutschland beim Nachrichten-Magazin „Diese Woche“. Mit 23 Jahren wurde Augstein dessen Heraus­geber und Chef­redakteur und benannte das Magazin mit Ausgabe 1/1947 in „DER SPIEGEL“ um.

Von 1950 bis 1962 war er zusammen mit John Jahr Verleger des SPIEGEL, 1962 über­nahm der Verleger und Druckerei­besitzer Richard Gruner die Position von Jahr. 1969 trennten sich Augstein und Gruner, Augstein blieb Allein­eigen­tümer des SPIEGEL, bis sich der Verlag Gruner + Jahr 1971 mit 25 Prozent beteiligte. 1974 schenkte Rudolf Augstein 50 Prozent seines Unter­nehmens den Mitarbeitern.

Am 26. Oktober 1962 begann mit einer Durch­suchung der SPIEGEL-Redaktions­räume die sogenannte SPIEGEL-Affäre, die schließlich zum Sturz des damaligen Bundes­verteidigungs­ministers Franz Josef Strauß führte. Anlass war der SPIEGEL-Titel „Bedingt abwehr­bereit“ über das Nato-Manöver „Fallex 62“, in dem Strauß landes­verräter­ische Elemente wähnte. Der damalige Chef­redakteur Jacobi, Verlags­direktor Becker und Artikel­autor Conrad Ahlers wurden ver­haftet; Augstein stellte sich am 27. Oktober selbst der Polizei und saß 103 Tage in Unter­suchungs­haft. Am 14. Mai 1965 wurde das Straf­verfahren gegen Augstein und Ahlers wegen Mangels an Beweisen ein­ge­stellt.

1972 nahm Augstein ein Angebot des damaligen FDP-Vor­sitzenden Walter Scheel an und kandidierte bei der Bundes­tags­wahl im Wahl­kreis Paderborn gegen Rainer Barzel. Über die NRW-Landes­liste kam er im November 1972 in den Deutschen Bundes­tag, aus dem er nach drei Monaten auf eigenen Wunsch wieder ausschied.

In den Fünfziger- und Sechziger­jahren ver­öffent­lichte Augstein unter dem Pseudonym Jens Daniel Kommentare zur Politik im Adenauer-Deutschland; bis zu seinem Tod im November 2002 trug er mit kritischen Kommentaren und Essays zur Auf­deckung von Fehl­entwicklungen in Demokratie und Gesell­schaft bei. Sein besonderes Inter­esse galt dabei historischen Zusammen­hängen.

„Sagen, was ist.“

Bücher

Augstein hat zahlreiche Bücher zu über­wiegend politischen Themen veröffentlicht:

  • „Spiegelungen“, 1964
  • „Konrad Adenauer“, 1964
  • „Preußens Friedrich und die Deutschen“, 1968
  • „Jesus Menschensohn“, 1972 (Neubearbeitung 1999)
  • „Überlebensgroß Herr Strauß“, 1980
  • „Deutschland, einig Vaterland? Ein Streitgespräch“, 1990 (mit Günter Grass)
  • „Ein deutsches Jahrzehnt – Reportagen 1985-1995“, 1995

Ehrungen

Anfang 2000 wurde Rudolf Augstein von 100 nam­haften Journa­listen im „Medium Magazin“ zum „Journa­listen des Jahr­hunderts“ gewählt und im Mai 2000 vom „International Press Institute“ als einer von 50 Verlegern und Journa­listen aus aller Welt, die im letzten halben Jahr­hundert für die Un­ab­hängig­keit der Presse ein­traten, als „World Press Freedom Hero“ aus­ge­zeichnet.

Weitere Ehrungen:

  • Ehren­doktor der britischen Uni­versität Bath, 1983
  • Ehren­doktor der Bergischen Uni­versität Gesamt­hoch­schule Wuppertal, 1987
  • Ehren­senator der Uni­versität Hamburg, 1988
  • Besondere Ehrung des Adolf-Grimme-Preises, 1990
  • Ehren­bürger von Hamburg, 1994
  • Großes Bundes­verdiens­tkreuz, 1997
  • Ehren­doktor der Hoch­schule für Aus­wärtige Beziehungen, Moskau, 1999
  • Ludwig-Börne-Preis, 2000
Gebäudewand mit Schriftzug „DER SPIEGEL“

Zum Medien­angebot der SPIEGEL-Gruppe gehören Print-Magazine, Online-Angebote und TV-Produktionen. Publi­zis­tische Quali­tät und eine un­ab­hängige Bericht­erstattung sind der Marken­kern aller journa­listischen Produkte.

Das Medienangebot

Der Verlag bietet allen Mit­arbeitenden ein breites Port­folio an Trainings- sowie Aus- und Weiter­bildungs­möglich­keiten. Darüber wird auf gezielte Programme für und mit Nach­wuchs- und Führungs­kräften gesetzt.

Karriere