manager magazin

"Klassischer Fall von Überregulierung"

Multiaufsichtsrat Werner Wenning kritisiert deutsche Corporate Governance

Multiaufsichtsrat Werner Wenning hält die deutsche Unternehmenskontrolle für überreglementiert. Im Gespräch mit dem manager magazin (Erscheinungstermin: 21. September) erklärte der 65-Jährige, er möchte bei seiner Aufsichtsratsarbeit "die größtmögliche Flexibilität". "Ich laufe nicht mit dem Aktiengesetz oder Corporate-Governance-Kodex unter dem Arm herum", so Wenning.

Der ehemalige Bayer-Chef sitzt ab Oktober an der Aufsichtsratsspitze des Chemie- und Pharmakonzerns. Zudem kontrolliert er die Dax-Unternehmen Eon, Deutsche Bank, Henkel sowie den Versicherer HDI/Talanx und die Freudenberg-Gruppe. Massiv kritisiert Wenning die sogenannte Cooling-off-Klausel. Danach müssen Ex-Vorstände zwei Jahre warten, bis sie in den Aufsichtsrat des Unternehmens rücken dürfen. Diese Regelung sei "ein klassischer Fall von Überregulierung", so Wenning gegenüber manager magazin. Man solle "über eine Korrektur nachdenken".

Auf die Frage, ob die deutsche Wirtschaft eine gesetzliche Frauenquote brauche, sagte Wenning: "Klare Antwort: Nein." Aus seiner Sicht liege es schon allein aufgrund der demografischen Entwicklung im Eigeninteresse jedes Unternehmens, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. "Wir sind ja selbst daran interessiert, den Pool von Frauen weiter zu vergrößern", so Wenning. Aber diese Breite an Kandidatinnen müsse sich in einem Unternehmen erst entwickeln, und das dauere seine Zeit. Bayer habe sich verpflichtet, bis 2015 den Frauenanteil in Führungspositionen "in Richtung 30 Prozent" zu steigern: "Mehr", so Wenning, "lässt sich intern gar nicht realisieren."

Autoren: Martin Noé, Dietmar Student
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